Montag, 21. April 2014

I survived. And so did Jesus!

WP_20140421_08_14_44_SmartWP_20140421_08_14_02_SmartDer Herr ist auferstanden! Aber in St. Anne’s Eastville hat er sich dabei in diesem Jahr ganz schön anstrengen müssen…

Eine lange Karwoche geht für mich zu Ende, mit mindestens einem Gottesdienst pro Tag. Noch versuche ich, die Traditionen der Gemeinde hier so gut es geht zu übernehmen, bevor ich nächstes Jahr anfangen kann, Veränderungsvorschläge zu machen.

Das muss zwischendrin ziemlich lustig gewesen sein: „Huch, was machen die denn jetzt?“ – ein von mir häufig gedachter Satz diese Woche… Statt Schokoladeneiern habe ich dieses Ostern Improvisation, Selbstironie und eine gewisse Ist-ja-auch-egal-Haltung gefunden.

An einigen Stellen hat mich diese Karwoche allerdings schon an meine liturgischen Grenzen geführt. Die Prozession an Palmsonntag, der tägliche Kreuzweg mit 14 Stationen, die Kreuzanbetung am Karfreitag und die Nägel, die ich am Karsamstag in die Osterkerze gesteckt habe – nur damit ich es nicht vergesse, sage ich in meinem Kopf vor mich hin: „Ich bin keine katholische Pfarrerin, sondern Lutheranerin… … oder?“ WP_20140421_08_15_01_Smart

Lang etablierte Rituale haben eben den Nachteil, dass die Gemeinde irgendwann aufhört, über die theologischen Hintergründe nachzudenken. Kann man Palmkreuze oder den Ostergarten segnen? Warum hebe ich nach der Eucharistiefeier eine Hostie für eine kranke Frau auf? Theologisch kann ich ja gern anderer Meinung sein, solange ich es für mich behalte. Denn wenn ich etwas von all dem weglassen würde, könnten auch meine theologischen Argumente das Loch kaum füllen.

Und immerhin hat Jesus es auch geschafft, inmitten des ganzen Chaos aufzuerstehen. Das Grab des Ostergartens ist leer, die Kirche ist blumengeschmückt, die Osterkerze trägt die aktuelle Jahreszahl, und eine gewisse Osterstimmung lässt sich nicht leugnen.
In diesem Sinne: Er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja!

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Freitag, 11. April 2014

noch viel zu tun...

Sollte sich jemand die Frage stellen wie ich in England meine freien Tage verbringe:

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Und drei Stunden später: (man beachte die Pakete, die da noch in der Ecke stehen...)

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Aber es macht wirklich Spaß zu sehen, wie sich langsam alles entwickelt!
Liebe Grüße an euch alle in Deutschland!

Montag, 7. April 2014

Andere Länder andere Sitten

Gestern wurde mir mal wieder lebhaft bewusst, dass ich mich hier im AUSLAND befinde. Ich war bei einem Gemeindemitglied zum Abendessen eingeladen. Die Besprechung einer Gemeindeaktion für Kinder entpuppte sich als äußerst unterhaltsames abendfüllendes Programm. Bei der vierköpfigen Familie zuhause geht es wirklich sehr besonders zu. Da sind einerseits die hygienischen Vorstellungen: „We just don’t clean, it’s easier.“ (Ich hoffe, bei diesem Satz ein Augenzwinkern bei der Mutter bemerkt zu haben). Da ich ja noch fast drei Jahre hier bleiben möchte, habe ich dann doch drauf verzichtet, für den Blog Fotos zu machen…
Naja, bei allem Spaß habe ich schon bemerkt, dass z.B. in meinem Haus in so manchen Ecken anscheinend noch nie geputzt worden ist. Es geht auch ohne die penible deutsche Sauberkeit.

Und dann war ausgerechnet an diesem Sonntag das traditionelle Boat Race im Fernsehen, das ich mit anschauen durfte. Es handelt sich dabei um ein jährliches Ruder-8er-Rennen (wie ich korrigiert wurde *gg*) auf der Themse, bei dem Studenten der Unis Oxford und Cambridge gegeneinander antreten. Wesentlich lustiger als die Sache an sich war es, die Reaktionen der Familie zu beobachten. Die Jüngste (14) echauffierte sich lautstark, was für einen Blödsinn sie das doch findet, und dass die Studenten doch bitte lieber studieren sollen anstatt 7 Monate lang 6 Tage die Woche für diese 12 Minuten im Jahr zu trainieren. Mutter und älteste Tochter hingegen waren unbeeindruckt glühende Fans des Teams Oxford, „because Grandfather has been in Oxford.“
Boat-Race
Aus dem Fernseher sprang mir britische Tradition entgegen, während im Wohnzimmer das versammelt saß, was die britische Gesellschaft ausmacht: Ein Hin- und Hergerissen Sein. Auf der einen Seite wird die Tradition verehrt, denn: „It has always been so“, und es ist ja auch „very British“ – etwas, das das Volk eben vereint und seinen Charakter ausmacht. Auf der anderen Seite ist da die Ablehnung der Tradition von Seiten der modernen Engländer (was nicht unbedingt am Alter festgemacht werden kann), weil sie als nicht zeitgemäß und spießig empfunden wird.

Unverhofft kam ich gestern wieder zu einer Begegnung, die mich hat Tränen lachen lassen, und die mir nebenbei eine Menge über dieses Land beigebracht hat.

Donnerstag, 3. April 2014

Die sichtbare Einheit

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Und wieder ein neuer Abschnitt. Seit Sonntag bin ich offiziell vom Bischof dazu beauftragt, die Gemeinde St. Anne’s zu leiten.
Unser gemeinsames Thema am Anfang meiner Zeit hier ist es, herauszufinden, wie ich als Lutheranerin hier arbeiten kann, soll und will.
Heute habe ich meine erste Eucharistiefeier geleitet, inklusive Austrinken des Restweins – wo es geht, versuche ich, Rücksicht zu nehmen auf die Traditionen der Gemeinde. An anderer Stelle aber bin ich eben doch anders: Carlas Kommentar nach der Feier war: „Du wirst im Kirchenvorstand erklären müssen, warum du kein Messgewand trägst.“ – Naja, ich erkläre ja gern.
Es gibt keinen Zweifel – dass ich hier sein kann, dass ich hier als vollwertige Pfarrerin anerkannt bin, ist etwas ganz besonderes. Ich lese im Meißen-Agreement, dem Dokument, dass die lutherische und die anglikanische Kirche in den 80er Jahren unterschrieben haben:

… In einer gefallenen Welt sind wir verpflichtet, nach der "vollen, sichtbaren Einheit" des Leibes Christi auf Erden zu streben. (…) Ständig ergreifen [wir] neue Möglichkeiten, mit denen [diese volle, sichtbare Einheit] in Worten und im Leben bekundet werden kann. Jede Erfahrung von Einheit ist eine Gabe Gottes und ein Vorgeschmack und Zeichen des Gottesreiches.


Dass ich hier bin, ist ein solches Zeichen der sichtbaren Einheit. Die Kirche, die sich auf Jesus Christus beruft, gehört weltweit zusammen. Und ich fühle mich geehrt, eine sichtbare Verbindung zu sein.
Ich finde es ein wunderbares Zeichen dieser Einheit, wie bunt all meine lieben Kollegen und ich zusammen auf dem Foto aussehen.
Ich fühle mich mittendrin.

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Freitag, 21. März 2014

Ins kalte Wasser...

WP_20140331_16_29_39_SmartIch stehe mal wieder in meiner Küche und warte darauf, dass das Teewasser heiß wird. Bei dem geliehenen beinahe antiken Camping-Wasserkocher ist das eine ganz schön zeitraubende Warterei. Ich hatte schon einigen (dienstlichen) Besuch in meinem Haus (immerhin gibt es ja schon einen Esstisch und vier Stühle zum sitzen), und der Wasserkocher kam deshalb schon einige Male zum Einsatz – „Are you sure, that’s working?“. Es ist hier tatsächlich üblich, sich in des Pfarrers Wohnzimmer zu treffen.

Ich habs ja geahnt, als ich noch in Deutschland war: Mein Job hier hat's ganz schön in sich. Ich habe eine astreine Geschäftsführung. Das ist zwar weniger aufwändig als in Deutschland, weil die Kirche aufgrund ihrer Größe (oder eher Kleine) weniger komplex organisiert ist. Trotzdem traut man mir hier ganz schön was zu! Ich bin allein verantwortlich für die Gemeinde, und das ist für anglikanische Pfarrer absolut nicht selbstverständlich. Wenn man hier Pfarrer werden will, wird man ausführlich geprüft, und dann wird abgewogen, ob einem die Pfarramtsführung zugetraut werden kann, oder ob man doch eher „self-supporting minister“ wird, d.h. ein (unbezahlter) zweiter Pfarrer, der jemand anders zugeordnet ist - oder einer der Pfarrer, die nur für eine bestimmte Gemeinde ordiniert werden, oder ob man gar nicht ordiniert wird, sondern als „licensed lay minister“ in einer Gemeinde arbeitet. Dass ich, die Deutsche, soviel Verantwortung bekomme wie nur die wenigsten einheimischen Pfarrer, ist schon was Besonderes – und manchmal bin ich mir nicht ganz sicher, ob es nicht eine Überforderung ist.

Jetzt ist das Teewasser heiß. Aber das Wasser, in das ich geworfen werde, fühlt sich sehr kalt an…

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Montag, 17. März 2014

With the Help of God

Ich kann die Endorphine immer noch in meinen Fingerspitzen fühlen. Heute war einfach ein wunderbarer Tag. Ich habe mich zum Mittagessen mit meinem Dekan Mat getroffen, was für ein wunderbarer, netter und zugänglicher Mensch! Und das als Dekan, der immerhin auch hier mein unmittelbarer Chef ist.

Mehr und mehr lerne ich die Rolle der Pfarrerin in St. Anne’s kennen, und mehr und mehr Fragen haben sich in mir angesammelt über die letzten Tage. Mat hat mir geduldig geantwortet, sehr offen über die Gemeinde, meine Vorgängerin und meine Kollegen in der Inner City Partnership (in der ich 50% arbeiten werde) gesprochen, und über meinen Einführungsgottesdienst am 30.3., an dem ich vor Gemeinde und Bischof Eide ablegen werde und zum Dienst in St. Anne’s beauftragt werde.

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Die Tage geht mir immer wieder der Bibelvers durch den Kopf, den Marion vor langer Zeit für mich ausgesucht hat, der mich seit meiner Konversion begleitet und auch in meinem Talar steht: „Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein.“ Ich bin so beschenkt durch die Chance, die sich mir hier bietet und durch die Freundlichkeit der Menschen. Ich fühle ich mich eingeladen, das Geschenk einfach anzunehmen, als Gottes Geschenk. Ich weiß, dass ich das alles nicht zurückgeben kann – wie könnte ich? Deshalb werde ich es Gott überlassen, das bisschen, was ich im Gegenzug anzubieten habe, zum Nutzen für die Gemeinde und für die Kirche hier zu verwandeln. Ein Segen kann ich nur sein, wenn Gott durch mich handelt. Und so werde ich im Einführungsgottesdienst sagen: „I believe that God has called me,“ und auf die Frage des Bischofs: „Will you commit yourself to the mission and ministry of the people in this place to further the kingdom of God?” antworten: „With the help of God, I will.”

Samstag, 15. März 2014

Der Unterschied machts

Komisch, dass mich diese Tage hier so müde machen. Es ist eben doch ganz anders hier als zuhause! Aber was ist eigentlich so anders?

Vielleicht auch um mich selbst von der Rechtmäßigkeit meiner Müdigkeit zu überzeugen habe ich heute ein Experiment gestartet. Man stelle sich eines dieser Rätsel für Kinder vor, in dem man zwei Bilder vergleichen und die Unterschiede suchen muss. Ich habe heute also einen Tag lang die Unterschiede gesucht, das, was hier irgendwie nicht normal, sondern eben anders ist.

Es fängt heute Morgen an. Dass es Unterschiede gibt, merke ich an der eigenen Haut. Ich habe scheinbar überall blaue Flecken. Das kommt daher, dass die englischen Häuser keine geraden Böden haben! Ich schwanke also hin und her auf dem Weg vom Schlaf- ins Wohnzimmer und haue dabei x-mal gegen irgendwelche Türrahmen oder Geländer. Ob das wohl besser wird?

Ich dusche also morgens und style meine Haare. Heute mit extra viel Haarspray. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass meine Frisur hier einfach nicht hält! So toll die Haare auch aussehen mögen, ein, zwei Stunden später sind sie zusammengefallen! (Liebe Regina, und du weißt ja, dass die Haare sitzen müssen!) :o) Vorgestern hat Louise mir eine mögliche Erklärung geliefert: Die Luft hier ist so feucht! Kein Wunder also. Entweder ich suche mir bald einen englischen Friseur, oder ich höre einfach auf, mich darüber zu ärgern.

Bevor ich aus dem Haus gehe, ziehe ich meinen Wintermantel an. Die Leute erzählen mir immer wieder, was für ein Glück es doch ist, dass ich Sonne mitgebracht habe. Erstaunlicherweise sehe ich heute auch viele Menschen im T-Shirt, sogar in Flipflops! Die Engländer scheinen das bisschen Sonne für den Ausbruch des Hochsommers zu halten. Dabei kann ich absolut nicht sagen, dass ich es warm finde! Mein Mantel bleibt zugeknöpft bis oben hin.

Das Geld bereitet mir weiterhin Probleme. Mann, mann, wer benutzt denn bitte heute noch Nicht-Euros?? Vor einigen Tagen habe ich an der Supermarktkasse einen Stau verursacht, weil ich mit einer 10-Pfund-Note ankam, von der ich sicher bin, dass ich sie von dir geschenkt bekommen habe, liebes Grischdli. :o) Ich hatte mich schon gefreut, dass es eine Pfundnote ohne die Queen drauf gibt. Aber die Verkäuferin ist zuerst zu ihrer Kollegin gelaufen, danach sogar zum Filialleiter! „Must be an old Scottish one. Haven’t seen one for ages!“ Am Ende hat sie den Schein behalten, aber ich hab mich echt drüber totgelacht und mit Zwinkerauge zu Chris gesagt: „You don’t even know your own money…“

Ja, und jetzt sitze ich im Wohnzimmer, nachdem ich vom „Tea service“ in der Kirche zurückgekommen bin. Tatsächlich scheint es hier nach beinahe jedem Gottesdienst Tee zu geben! An den englischen Tee habe ich mich längst gewöhnt! Im Gegensatz zu den Baked Beans aus der Dose, die ich zum Abendessen gegessen habe. Die Diocese hat mir freundlicherweise als survivor-Ausstattung die Küche mit Lebensmitteln gefüllt. Lustig, was sich da alles so findet. Unter anderem eben vier (!) Dosen Baked Beans – keine Ahnung, was ich damit machen soll.

So unterschiedlich das Leben hier ist, ich habe es mir ausgesucht. Und ich betrachte die Unterschiede als Herausforderungen. Herausforderungen, bei deren Bewältigung ich nicht allein bin. Gerade war Chris da mit seiner Frau Anita und hat für dieses Haus und für meinen Anfang gebetet: „Lord, make this house a welcoming place full of love and laughter.“ Noch etwas ist anders hier: Nicht nur durch die Menschen hier und ihre Frömmigkeit fühle ich mich Gott so nahe, wie an keinem anderen Ort. Bald gibt es keine Ausrede mehr, bald bin ich überzeugt davon, dass Gott mich an diesen Ort geschickt hat. Auf jeden Fall bin ich sicher, dass mich diese drei Jahre auch in spiritueller Hinsicht verändern werden. Und vielleicht werde ich irgendwann nicht mehr die Unterschiede im Bild suchen, weil sie dann in mir selbst sind...

Being a part of the city

Wenn ich heute an meinem Blog schreibe, sehe ich the city at night von einem ganz besonders Platz aus: Meinem neuen Zuhause! Im Laufe des Tages bin ich hierher umgezogen, in mein überdimensional riesiges Haus – nach zwei Wochen aus dem Koffer und zwei unterschiedlichen Gästezimmern in unterschiedlichen Ländern. Ich hätte nicht gedacht, dass es sich so gut anfühlen würde, ein eigenes Zuhause zu haben. Jetzt bin ich endlich richtig angekommen in Bristol!

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Pam, eine Nachbarin habe ich schon getroffen, sie ist wirklich sehr freundlich und sehr hilfsbereit, aber das scheinen hier irgendwie alle zu sein. Alle sind nett zueinander und scheinbar lustig und lässig gelaunt. Ganz wie man über sie sagt, haben die Engländer die Kunst der Höflichkeit perfektioniert. Ich finde es schwierig, zu erkennen, was Höflichkeit ist, und was ernst gemeint.

Jedenfalls habe ich mir von allen Ecken und Enden Dinge zusammengeliehen, so dass ich fürs erste hier leben kann: Bettdecke und Kissen, Teller und Tasse, Internetstick, Schraubenzieher, sogar einen Teekessel – alles von unterschiedlichen Menschen. Hoffentlich weiß ich am Ende noch, wem eigentlich was gehört.

Trotzdem fühlt sich mein Leben noch so an, als würde ich in meinem Haus campen. Neben Strom und warmem Wasser habe ich eine auf dem Boden liegende Matratze, einige Stühle und einen Tisch vom Vormieter, seit gestern auch einen Poäng-Sessel von IKEA. Und the lemon natürlich, sicher geparkt vor der Garage. Alles was man zum Leben braucht also! :o)

Für heute abend bin ich einfach nur glücklich. Ich bin endlich angekommen, und es kann losgehen!

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Freitag, 14. März 2014

Tina's dictionary

Wenn ich noch vor einigen Wochen erzählt habe, dass ich für drei Jahre nach Bristol gehen werde, haben sich einige Menschen mit Respekt gegenüber der englischen Sprache geäußert. Ich habe mir deshalb eigentlich keine Sorgen gemacht.

Tatsächlich finde ich die Sprache dann schwierig, wenn es z.B. darum geht, etwas am Telefon zu organisieren, wenn mir eine Verkäuferin den Handyvertrag erklärt oder wie das System der Möbellieferung bei IKEA funktioniert. „…and please excuse my poor English,“ diesen Satz bin ich schon mehrmals losgeworden, zuletzt heute morgen am Ende eines im Ganzen erfolgreichen Telefonats mit dem Stromanbieter meines neuen Hauses.

Einer Fremdsprache ausgeliefert zu sein, hat aber auch seine witzigen Seiten. Mir fällt es immer wieder auf, dass die Engländer manchmal lustige Sachen sagen, die sie selbst ganz normal zu finden scheinen. So habe ich mich darüber amüsiert, dass scheinbar leblose Dinge sprachlich zum Leben erweckt werden. „The key lives on the shelve” z.B. bedeutet, dass der gewohnte Aufenthaltsort des Schlüssels eben das Regal ist. Auf meinen Hinweis, dass ich den Gedanken der im Kühlschrank „lebenden“ Milch ziemlich witzig finde, erntete ich fragende Blicke. Lebende Milch erinnert mich eigentlich eher an etwas Vergammeltes, das mag allerdings auch nur meinem verdorbenen deutschen Gehirn entspringen.
Englisch
Blumen aller Art halten übrigens im „flowerbed“ ihren stetigen Schönheitsschlaf, wobei diese Redewendung paradox erscheinen mag, wo doch gerade jetzt der Frühling (= „spring“) kommt, und die Blumen wie „springs“ (= Federn!) aus dem Boden hopsen.

„The table goes with the chairs“ ist keineswegs so zu übersetzen, dass der Tisch eine polygame Beziehung mit den Stühlen pflegt, im Sinne von „miteinander gehen“. Auch ist es nicht so, dass Tisch- und Stuhlbeine lebendig werden und beide miteinander mit Wohnzimmer auf und ab gehen. Es bedeutet, dass der Tisch zu den Stühlen passt – eine Frage des Geschmacks also, der in England was Möbel betrifft übrigens teils ziemlich anders ist als der deutsche.

Englisch ist wirklich eine liebenswerte Sprache, traditionell und manchmal ungewollt komisch, dabei aber durchaus selbstironisch, wie die Engländer an sich.

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